Berliner Hinterhöfe vor 80 Jahren: Wenn der Leierkastenmann kam

Im Jahr 1931 war das Leben in Berlin noch ganz anders, als wir es heute kennen. Im Ofen zu Hause buk man sich sein Brot selbst, belegte es dünn mit Schmalz und packte es für die Verpflegung auf Arbeit in zerknittertes Pergamentpapier ein. Dann trank man noch schnell einen Kaffee, den man sich auf der Gasplatte in der Küche erwärmt hatte und fuhr mit dem Fahrrad oder per Pferdkutsche auf Kopfsteinpflastern zur Arbeit. Weder ein modernes Faltstore hing damals am Fenster, noch gab es Heizung oder elektronische Geräte. Einzig die ersten Radios übertrugen Nachrichten und neuste Schlager der Zeit.

Doch nicht jeder konnte sich diese leisten. Zur abendlichen Unterhaltung diente in vielen Regionen daher der Leierkastenmann, der zum Beispiel in Kneipen zur guten Stimmung beitrug. Dann sang und schunkelte man, während man Bier trank, sich unterhielt und lachte. Da es damals weder Computer, noch Handys oder andere High-Tech-Geräte gab, konnte sie auch keiner vermissen, weshalb die Menschen mit dem zurechtkamen, was sie hatten. Und kann man sich die Welt ohne technische Geräte nicht auch irgendwie schön vorstellen? Gerade Lebensmittel hatten noch einen ganz anderen Wert. Kann man heute alles um die Ecke in zig Supermärkten kaufen, baute man sein Gemüse damals zum Teil noch selbst im Garten an und kaufte andere Waren auf Wochenmärkten, die auch das Gesellschaftsleben stärken.

News und Infos holte man sich von Gesprächen auf dem Markt, aus Tageszeitungen, die man auch damals schon gerne beim morgendlichen Kaffee hinter einem zugezogenen Rollo las, bevor man zur Arbeit aufbrach, oder eben aus dem Radio, wenn man sich eins leisten konnte. Die Frauen trugen die Haare auf den Berliner Straßen niemals offen, sondern hochgesteckt und mit einer Haube oder einem Hut bedeckt – von wegen, nur muslimische Frauen tragen Kopftücher! Es kann interessant sein, mal einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, ob nun in Berlin oder rund um die Welt – doch nur, wenn man rechtzeitig wieder in der Realität landet!